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Porträt

Schwerpunkt-Thema: Die Wurzeln der Freiheit

Die Dicke Katze als Spielwiese für kulinarische Experimente und regionale Verantwortung
4. Dezember 2025
© Stefan Herbolzheimer

Es ist ein Name, der hängen bleibt: Dicke Katze.

Der Name wird plausibel, wenn man Stefan Herbolzheimer kennenlernt. Die Dicke Katze, sein kulinarisches Unternehmen, ist weniger Marke als Haltung, eine Mischung aus Freiheit und Intuition. „Die Katze ist ein freies Wesen“, sagt er. „Und so bin ich auch. Ich kaufe ein, wo ich will, ich koche, wie ich will.“ Und er tut es immer in seiner mittelfränkischen Heimat. „Auch die Katze will ja am Land bleiben.“

Heimat ist dabei kein geographischer Kreis oder ein sentimentaler Begriff, sondern ein Beziehungsgeflecht. „Region? Das ist schwierig“, sagt er. „Sind’s 50 Kilometer, 100, 200? Region ist da, wo ich die Menschen kenne. Wo ich Bezug habe. Wo ich ihre Hände und ihre Köpfe sehe.“ Und tatsächlich: Er kennt fast alle Produzenten, die ihn beliefern – per Handschlag, nicht über eine Bestellplattform. „Ich kaufe da ein, wo ich Vertrauen hab“, sagt er. „Natürlich auch weil der Wert in der Region bleiben soll.“

Kochen als Mittel zum Zweck

Viele Köche reden von Regionalität, Stefan Herbolzheimer lebt sie. „Ich glaube nicht, dass es neue Sachen sind, die ich mache“, sagt er über seine aktuellen Projekte. „Aber es wird immer klarer – und es fühlt sich vertrauter an.“

Tatsächlich ist sein Weg kein stetig wechselndes Programm, sondern eine präziser werdende Form seiner Philosophie: Kochen mit gesellschaftlichem Beitrag.

„Essen ist ein super Hebel, um die Welt zu verbessern“, sagt er. „Der Industriezweig dahinter ist riesig. Und jede Entscheidung beim Einkauf ist eine Entscheidung für oder gegen eine lebenswerte Zukunft.“ So kann Kulinarik das Werkzeug sein, um Bewusstsein für regionale Wertschöpfung und gelebte Werte zu schaffen.

Er sieht das als seinen Bildungsauftrag an, den er gerne genussvoll erfüllt. Wer bei ihm isst, wird satt. Aber er soll auch etwas mitnehmen: ein Gefühl, einen Impuls, eine Idee, wie es anders gehen kann.

 

Katzenfusionsküche: Wo die Freiheit schmeckt

Herbolzheimers Küche ist so eigensinnig wie sein Firmenname. „Katzenfusionsküche“ nennt er sie – irgendwo zwischen fränkisch und asiatisch, mit französischen Elementen, immer pflanzlich inspiriert. Ein Stil, der schwer zu fassen ist und vielleicht gerade deswegen funktioniert.

Stefan arbeitet selten mit Rezepten. Er macht sie zwar, „aber eigentlich koch ich nach Gefühl“, sagt er. „Ich schau, was die Region hergibt, und dann interpretiere ich es so, dass es Spaß macht.“

Für den Baumannshof, einen Bio-Lieferservice aus Obernzenn, schreibt Stefan dann auch regelmäßig seine Rezeptideen auf. Eine Zusammenarbeit, die er „eine Win-Win-Situation“ nennt. „Eine Katze geht ja nur dorthin, wo es ihr gefällt. Und mir gefällt es dort sehr.“

Beide Unternehmen sind Teil der Initiative HeimatUnternehmen. „Wir HeimatUnternehmer sind ein solidarischer Haufen“, sagt er. „Keine Ellenbogengesellschaft. Jeder bringt seinen Teil fürs große Ganze ein. Und wir teilen die gleichen Werte.“

Uns alle verbindet der Glaube daran, dass die Welt besser werden kann. Und sie tut das, indem wir bei uns vor Ort zusammenarbeiten.
– Stefan Herbolzheimer

Die Dicke Katze als Spielwiese

Für Stefan Herbolzheimer bietet die Dicke Katze genau die richtige Plattform, um Dinge auszuprobieren, für kreative Übung und auch mal pure Freude am Experimentieren.

Das sichere Standbein bleibt das Catering – ebenfalls im „Katzenstil“: mit Respekt vor dem Produkt, Fantasie auf dem Teller und der Überzeugung, dass Essen Menschen genussvoll verbindet. Stefan kocht für Hochzeiten, für Firmenfeiern oder für Freundeskreise, die einfach etwas Besonderes erleben wollen.

Und dann gibt es Veranstaltungen, die über das Kulinarische hinausgehen: Poetry Slams oder Lesungen mit Menü. Wine and Dine, Kino und Kulinarik. „Ich denke gerne neue Sachen – und dann setz ich sie einfach um.“ Routine sei sein Todesurteil, sagt er. „Ich brauche dieses kreative Machen.“

 

Heimat als Zukunftslabor

Seine Vision ist klar: eine Heimat voller Menschen, die ihre positiven Werte leben. Energie, die vor Ort bleibt. Produkte, die nicht anonymisiert, sondern personifiziert sind. „Energy flows where attention goes“, sagt er. „Ich geb mein Geld – also kompensierte Energie – dahin, wo ich weiß: Da ist es gut aufgehoben.“

Herbolzheimers Beitrag dazu ist die Kulinarik. Essen mit Haltung. Und diese unerschöpfliche Kreativität, die überall spürbar ist: in der Art, wie er Zutaten auswählt und in den Geschichten, mit denen er seine Gerichte begleitet.

Heimat ist für mich ein Ort der Gestaltung. Ein Zukunftslabor mit kurzen Wegen und großen Ideen.
– Stefan Herbolzheimer

Was bleibt?

Wenn man ihn fragt, was fehlen würde, wenn die Dicke Katze eines Tages nicht mehr kochte, sagt er: „Eine hochwertige vegetarische Küche. Mein Essen gibt’s nur von mir, nur hier. Und das hat einen Wert, der mehr ist als einfach nur satt werden.“

Es würde außerdem fehlen: die gute Mischung aus Bodenständigkeit, Vision und katzenhafter Freiheit, die immer in Bewegung ist.