Schwerpunkt-Thema: Kreative Wirtin mit Herz für Altes
In Willmars, einem kleinen Dorf in der Rhön, hat Nicole Stiefel einen ganz besonderen Ort geschaffen: ihren „Heimathafen“ – ein Garten-Café, das Geschichte, Genuss und Gemeinschaft auf einzigartige Weise verbindet. Hier ist Gastronomie weit mehr als Essen und Kaffee: Die außergewöhnliche Wirtin sieht ihr Café als kreativen Raum, der regionale Ressourcen, Gegenstände mit Geschichte und gelebte Nachbarschaftskultur miteinander verwebt.
Nicole Stiefel, ursprünglich Einzelhandelskauffrau, später Dekorateurin für eine Mode-Kette, hat seit ihrer Kindheit eine Leidenschaft fürs Selbermachen und für gebrauchte Dinge. 2016 kaufte und renovierte sie ein altes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1691. Heute ist es ein Schmuckstück – und gefüllt mit ebensolchen Schmuckstücken: Antiken Möbeln, altem Geschirr, historischen Bildern und unzähligen liebevoll restaurierten Alltagsgegenständen aus vergangenen Zeiten.
2019 eröffnete die HeimatUnternehmerin schließlich obendrein ihr eigenes Café: Das ehemalige Gasthaus „Grüner Baum“ wurde so zum „Heimathafen“.
Im Innern lädt eine liebevoll eingerichtete Gaststube zum Verweilen ein. Das Außergewöhnliche: Alles, was dort steht – von Möbeln über die Deko bis zum Geschirr – kann gekauft werden. Das macht das Café zu einem lebendigen Schaufenster für handverlesene Stücke, die eine Geschichte erzählen. Wer dort zu Gast ist, kann seinen Kaffee genießen und die zauberhafte Tasse, aus der er ihn trinkt, danach gerne kaufen und mitnehmen. Auf diese Weise verändert sich die Einrichtung des Cafés immer wieder aufs Neue – kein Besuch im Heimathafen gleicht dem anderen.
Und die Gäste lieben das Konzept! Bei älteren Besuchern des Cafés werden nicht selten Erinnerungen an die eigene Biografie geweckt. Und junge Leute staunen darüber, was es früher alles gab.
Was den Heimathafen darüber hinaus besonders macht, ist die Philosophie hinter dem Angebot: Nicole backt jede Woche Kuchen und Torten – ausschließlich aus saisonalen, regionalen Zutaten. Obst, Gemüse & die Kräuter stammen aus ihrem eigenen Garten oder von Nachbarn in Willmars. Auch Eier und Mehl kommen aus dem beschaulichen Ort oder dem benachbarten Mellrichstadt.
Die konsequente Verwendung lokaler Zutaten ist Ausdruck eines tieferen Wertes: nachhaltige Wertschöpfung. Indem sie mit Nachbarn zusammenarbeitet und regionale Produkte einkauft, stärkt Nicole Stiefel nicht nur ihre eigene Unternehmung, sondern auch die Dorfgemeinschaft. Ihr Café wird so zu einem Motor für lokale Wirtschaftskreisläufe.
Nicole Stiefel hat eine stark ausgeprägte soziale Ader und viel Einfühlungsvermögen. Die HeimatUnternehmerin ist eine Netzwerkerin durch und durch. In ihrem Café wird echte Begegnung ermöglicht. Zweimal im Monat gibt es einen Sonntagsbrunch, der so beliebt ist, dass er eine Warteliste hat. Das so genannte „Frühstück bei Freunden“ ist ein Renner – und viel mehr als ein gastronomisches Angebot, es ist ein soziales Format.
Ein Herzensprojekt sind zudem Gesprächsrunden mit Älteren aus der Umgebung: Zeitzeugen berichten von ihrem Leben und Nicole Stiefel gibt ihnen Raum in ihrem Café, um Geschichten zu teilen, die sonst vielleicht verloren gingen. Das verbindet Generationen und macht den Heimathafen zu einem lebendigen Ort des Erinnerns.
Auch in der Gemeinde engagiert sich die vielseitige Macherin aktiv: Sie gestaltet mit Kindern Möbel um, übernimmt bei Dorffesten die Cocktailbar, ist Teil des lokalen Ferienprogramms – kurz: sie lebt das lokale Miteinander.
Vintage ist ein Trend – und was Nicole Stiefel anbieten kann, ist alles original, kein „Retro-Style“. In Zukunft möchte sie vier Ferienzimmer im Heimathafen einrichten und den Nutzgarten direkt am Café weiter ausbauen. Damit könnte der Heimathafen noch stärker zu einem Lieblings-Ort werden – auch für Menschen, die länger verweilen möchten.
Nicole Stiefels Heimathafen ist ein Musterbeispiel dafür, wie kreative Gastronomie und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen können. Gleichzeitig schafft sie einen wertvollen Kulturraum, der viel über die Geschichte des Ortes und das Leben der Menschen anno dazumal erzählt. Das stiftet Identifikation und Heimat-Gefühl. Nicht zuletzt ist ihre besondere Art, ihr Unternehmen zu betreiben, in hohem Maße nachhaltig, weil sie nutzt, was vorhanden ist.
„Die Welt kann ich nicht retten“, sagt die vor Energie sprühende Wirtin. „Aber viele alte Dinge können durch mich eine neue Heimat finden und wieder wertgeschätzt werden.“ Sie selbst besitzt fast nichts Neues mehr und sieht darin keinen Nachteil. Im Gegenteil: „Herzensdinge, die ich mit früher verbinde, machen mich glücklich“, sagt Nicole Stiefel.
Als Netzwerkerin und HeimatUnternehmerin liefert sie ein wertvolles Beispiel, wie ländliche Regionen durch mutige Unternehmer gestärkt werden können.