Schwerpunkt-Thema: Im machtSINN Heimat erfahren
"Regional“ ist ein Begriff, der nicht klar definiert ist. Für manche sind Lebensmittel aus Deutschland regional, andere ziehen die Grenze enger und beschränken „regional“ auf ihr Bundesland. Für die HeimatUnternehmer vom „machtSINN“ in Holzkirchen bedeutet regional: Alles kommt aus einem Radius von maximal 80 Kilometern. Andrea Brenner und ihr Mann Bernhard Wolf, die das ungewöhnliche Gastro-Unternehmen betreiben, stellen sich damit freiwillig einer außergewöhnlichen Herausforderung. Denn innerhalb dieser eng gefassten Grenzen sind bestimmte Lebensmittel wie zum Beispiel Zitronen grundsätzlich nicht verfügbar und andere nur zu bestimmten Jahreszeiten. Dann wird mit dem gekocht, was da ist. „Wir weichen das nicht auf“, sagt Andrea Brenner. „Wir sind einfach kreativ.“
So gibt es im Winter beispielsweise ein feines Rote Beete-Carpaccio und Grünkohl-Salat. Und wer glaubt, dass das nicht schmeckt, hat noch nie die „machtSINN“-Küche genossen. „Unsere Gäste trauen sich, Sachen zu probieren“, sagt Andrea Brenner. Steckrüben-Curry? Kommt super an! Dennoch ernten die beiden immer wieder überraschte Gesichter. Zum Beispiel bei Events, die das „machtSINN“ mit seinem Catering bereichert. Da gibt es kein Spezi, sondern hausgemachte Limonaden. Und die natürlich ohne Zitrone.
Bei Team-Cookings in kleinen Gruppen steht der Spaß im Vordergrund. Dennoch nehmen die Teilnehmer jedes Mal ganz nebenbei etwas mit, das sie zuvor nicht wussten. Auf diese Weise betreiben Andrea Brenner und Bernhard Wolf zusätzlich Bildungsarbeit. Damit schließt sich in gewisser Weise ein Kreis, denn Andrea Brenner ist Ernährungswissenschaftlerin. Und ihr Mann bringt als Küchenmeister sowie ehemaliger Restaurant- und Hotel-Inhaber jede Menge Erfahrung mit, die er gerne weitergibt.
80 bis 90 Prozent der Zutaten, die die beiden verwenden, sind nicht nur regional, sondern obendrein Bio-zertifiziert. „Das kommt ganz automatisch, wenn man sich mit Lebensmitteln und ihrer Herkunft auseinandersetzt“, sagt Andrea Brenner. „Das hat einfach eine ganz andere Qualität.“ Dasselbe gilt für das Fleisch, weswegen die beiden Gesellschafter bei Oberland Bioweiderind sind. „Es ist ein Unterschied, ob eine Kuh Soja aus Argentinien zu fressen bekommt oder Weidekräuter aus unserer Region.“
Die innovativen Gastronomen haben viel über Landwirtschaft und ihre Heimat gelernt, während ihrer Suche nach regionalen Produkten. Und sie haben Menschen kennen gelernt, die genauso ticken wie sie. Spannende Leute, die mit einem anderen Blick an die Dinge herangehen.
Nicht nur das selbst auferlegte Gebot „radikal regional“ erfordert große Flexibilität – auch die aktuellen Entwicklungen in der Branche. Ab Januar 2026 hat das „machtSINN“ deshalb ein verändertes Konzept: Der Schwerpunkt liegt künftig auf Catering, Events, Teamcooking und Tagungen statt Bistro und Laden. Denn die Nachfrage von Unternehmen, die auch bei der Verpflegung ihrer Gäste und Mitarbeiter auf Nachhaltigkeit setzen steigt. Zudem legen auch immer mehr Gäste Wert auf regionales Bio-Essen bei Ihren Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage. Für die Stammgäste wird es einmal im Monat ein Hofwochenende mit besonderen Angeboten geben. Die konsequente Ausrichtung auf regional bleibt. „Wir könnten gar nicht mehr anders als regional und Bio“, sagt Andrea Brenner. „Diese Lebensmittel sind noch echte Mittel zum Leben. Viele andere Produkte sind das heute nicht mehr.“
Andrea Brenner und ihr Mann sprühen vor Energie. Sie waren bereits um die 50, als sie das „machtSINN“ gründeten und denken auch jetzt nicht an Ruhestand. Nach wie vor sehen sie großes Potenzial für ihr Modell. Auch wenn sich viele Entwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit, die zwingend kommen müssen, zu langsam vollziehen. Die Macher vom „machtSINN“ gehen deshalb einfach mutig voran.
Mittlerweile können sie mit ihrem beeindruckenden Konzept auf Speisekarten aus sieben Jahren zurückgreifen. Das nutzt ihnen allerdings nur begrenzt. Denn jedes Ernte-Jahr ist anders. „Wir haben noch nie zweimal dieselbe Karte verwenden können“, sagt Andrea Brenner lachend. Die größte Auswahl an Zutaten haben die beiden in der Regel ab September. Dann können sie aus dem Vollen schöpfen. Zu anderen Jahreszeiten müssen sie manchmal umplanen, zum Beispiel, weil für einen bewährten Aufstrich nicht alle Zutaten gleichzeitig reif geworden sind.
Solche Besonderheiten sind gleichzeitig die besondere Qualität des „machtSINN“ und die beiden kommunizieren das ganz plakativ. Zum Beispiel auf kleinen Schildchen, die sie beim Catering neben ihren Gerichten aufstellen. Die Gäste finden das spannend und wollen oft mehr wissen. Fest steht: die Transparenz, die das „machtSINN“ bietet, ist einzigartig. Mehr noch: Die konsequente Offenlegung der Herkunft aller Zutaten erzählt eine wunderbare Geschichte über das Leben und Wirtschaften in der Region. Wer „machtSINN“-Küche erlebt, erlebt Heimat pur.