Jung, kreativ und Gründer
Dass man sich nach dem Abschluss auch selbstständig machen kann – daran denken viele Schülerinnen und Schüler gar nicht, wenn sie sich allmählich auf den Weg Richtung Berufsleben machen. Umso aufmerksamer lauscht die 9. Klasse Philipp Köstler, der an diesem Tag in der Schule zu Gast ist und über sein Startup erzählt. „Wie bist du auf die Idee gekommen?“, fragen sie. Und: „Wieviel verdienst du damit?“. „Noch gar nicht so viel, wie ihr glaubt, aber es reicht“, sagt Philipp Köstler mit einem Augenzwinkern. Der junge Unternehmer hat zusammen mit seinem Studienkollegen Florian Weiß „kraftschluck“ gegründet. Die beiden stellen Smoothies aus 100% deutschen Zutaten und in Bio-Qualität her.
Die Idee entstand während ihrer Zeit an der Hochschule. Die Nürnberger Studenten Philipp und Florian tranken öfter Smoothies und stellten fest, dass die oft sehr viel Zucker enthielten und die Zutaten „eine halbe Weltreise hinter sich“ hatten. Das brachte die beiden auf die Idee, es selbst einmal mit kurzen Wegen und einer nachhaltigen Alternative ohne Zucker zu versuchen. Sie holten den alten Entsafter von Florians Oma aus dem Keller und fingen an, in der Küche zu experimentieren. Das war 2021. Ein Jahr später gründeten sie ihr Startup.
Durchschnittsalter von Gründern: 35 Jahre
Ein mutiger Schritt – und ein Weg, auf dem es an Vorbildern mangelt. Denn das Durchschnittsalter von Unternehmensgründern in Bayern liegt dem KfW-Gründungsmonitor zufolge bei etwa 35 Jahren (Stand 2021). In der Regel haben Gründer bereits einige Jahre Berufserfahrung gesammelt, bevor sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Erfahrung spielt durchaus eine nicht unwesentliche Rolle. Allerdings bringen junge Menschen oft andere Eigenschaften mit, die eine erfolgreiche Gründung möglich machen. Neben innovativem Denken, Begeisterungsfähigkeit und einer gewissen Risikobereitschaft ist das auch die Freude am Experimentieren.
Im Fall von Kraftschluck ist diese Experimentierfreude wörtlich zu nehmen. „In der Küche sah es oft aus wie Sau“, erinnert sich Philipp augenzwinkernd. Mehr als ein Jahr lang tüftelten die beiden am Rezept. „Wir haben alles entsaftet, was uns in die Finger gekommen ist und das wild kombiniert.“ Immer wieder mussten Freunde und Familie probieren, aber auch Außenstehende, beispielsweise bei Messen, denn von denen erhofften sich die kreativen Macher ein ehrlicheres Feedback.
Wichtig war den jungen Unternehmern, nahezu ausschließlich mit Lieferanten aus Deutschland zu arbeiten, um die Arbeit von heimischen Bio-Bauern zu unterstützen und zu zeigen, wie groß die Vielfalt in der Region ist – bis hin zu fränkischem Ingwer oder so anspruchsvollen Kulturen wie Haskap-Beeren, die ein Landwirt für die beiden im Nürnberger Land anbaut. Folglich sind die Wege vom Feld in die Flasche kurz – und der CO2-Fußabdruck kleiner.
Eine Weile managten die beiden den Einkauf und Produktion selbst, mittlerweile haben sie zwei zuverlässige Abfüllpartner gefunden. Die Smoothies von „kraftschluck“ – es gibt vier Sorten – verkaufen sich gut, die Gründer sind mit der Entwicklung ihres Unternehmens zufrieden.
Anteil von Frauen steigt allmählich
Tendenziell sind Gründer in Bayern eher männlich, doch der Anteil an unternehmerisch denkenden Frauen steigt seit einigen Jahren. Häufig verfügen sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Meisterbrief.
So hatte auch Wiltrud Honer-Schmid eine Ausbildung zur Keramikerin absolviert, bevor sie mit dem „Drehwerk“ ihre eigene Werkstatt gründete. Mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, ist erfüllend. Für die junge Frau war deshalb klar, dass sie ein Handwerk erlernen will. Heute fertigt sie in Dietmannsried im Allgäu wunderschöne Unikate an. Mit viel Liebe zum Detail hat sie unter anderem ein eigenes Geschirr-Design entwickelt. Für ihre kunstvoll bemalte Keramik arbeitet sie immer wieder auch mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern zusammen.
Weil sie Handwerk erlebbar machen und die Begeisterung für das Töpfern weitergeben möchte, bietet Wildtrud Honer-Schmid Kurse für Kinder und Erwachsene an. Dabei können die Teilnehmer unter anderem Vasen oder Türschilder gestalten. Das Interesse daran ist groß. Weitere Events, die das „Drehwerk“ auf die Beine stellt, sind Kindergeburtstage oder Junggesellenabschiede. Die junge HeimatUnternehmerin ist zudem, neben dem Verkauf in einem kleinen Laden in Dietmannsried, auf Märkten vertreten.
Unterdessen entwickelt sie sich immer wieder weiter und ist innovativ. So bietet Wiltrud Honer-Schmid inzwischen für Unternehmen Geschirr mit deren Logo an, eine Nische mit großem Potenzial. Auch für die Zeitschrift „DIE ALLGÄUERIN“ hat sie vor rund zwei Jahren Logo-Geschirr kreiert. Darüber hinaus veranstaltet die junge Frau mittlerweile auch Firmen-Events und Weihnachtsfeiern.
Mit Anfang 20 ist Wildtrud Honer-Schmid etwas gelungen, wovon viele träumen: Die Leidenschaft zum Beruf machen! „Es ist jeden Tag aufs Neue etwas anderes“, sagt sie. „Ich finde es schön, wenn ich mich morgens an die Scheibe setze und abends sehe, was ich alles gearbeitet habe.“ Das Töpfern hat für sie etwas Meditatives. Dabei kann die Kreativität sich über ihr wichtigstes Werkzeug, die Hände, frei entfalten. „Das Besondere am Ton ist, dass es ein Naturmaterial ist und dass man aus einem Klumpen die unterschiedlichsten Sachen erschaffen kann“, sagt Wiltrud Honer-Schmid.
Am liebsten gestaltet sie Keramik für den alltäglichen Gebrauch. „Man startet doch gleich viel besser in den Tag, wenn man sich beim Frühstück schon über schönes, handgemachtes Geschirr freuen kann.“
Von Rückschlägen nicht entmutigt
Auch die Gründer von Kraftschluck haben noch immer Freude an ihrem eigenen Unternehmen. Von Rückschlägen haben sich die beiden nicht entmutigen lassen. Beispielsweise, als sie ursprünglich versuchten, ihre Smoothies in Pfandflaschen anzubieten. Die 0,5-Liter-Flaschen wurden von den Konsumenten nicht angenommen, also stiegen sie auf 250 ml-Flaschen um.
Die Neuntklässler dürfen bei Philipps Besuch am Ende selbst die Smoothies testen und haben viel Spaß dabei. Sie diskutieren nicht nur den Geschmack, sondern auch das Produkt-Design und die Farben. Ob er viel arbeitet, wollen sie von dem Unternehmer noch wissen. „Schon“, gibt er zu. Aber er könne sich das selbst einteilen. Zum Beispiel morgens länger ausschlafen oder – wie an diesem Tag – eine Schulklasse besuchen. Dafür arbeitet er dann eben abends länger.