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Schwerpunkt

Nuss bringt Leute und Naturschutz zusammen

Genossenschaft vermarktet regionale Spezialität und bewahrt damit charakteristische Landschaft
26. Februar 2026
© Gelbe Bürg

Wie wertvoll all das ist, was in den Gärten und auf Wiesen wächst, ist vielen nicht bewusst. Im Altmühltal wurde der Wert heimischer Früchte erkannt und beschlossen, die Schätze der Natur mit anderen zu teilen. Aus dieser Idee entstand, in Wechselwirkung mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken, 2013 eine Genossenschaft, die auf Anhieb 120 Mitglieder hatte. Mitmachen konnten Bürger aus den Gemeinden rund um den markanten Tafelberg, „Gelber Berg“ genannt, der schließlich auch namensgebend wurde: „Gelbe Bürg“.  Prägend für das Unternehmen wurde darüber hinaus eine regionale Spezialität, die heute das Logo der Genossenschaft ziert: die Walnuss. Denn die, erinnert sich Ernst Beißer vom Vorstand, war ein überraschender Verkaufsschlager.

Von Walnuss-Öl über Walnuss-Mehl oder -Nudeln bis hin zu Rote-Bete-Walnuss-Aufstrich mit Meerrettich – das Angebot der Manufaktur ist vielfältig und birgt auch außergewöhnliche Spezialitäten. Verkauft wird in einem Radius von etwa 60 Kilometern, auf Märkten, in Dorf- und Feinkostläden, aber auch im Handel oder im Reformhaus. Das Ziel, eine wirtschaftliche Perspektive aus der Region für die Region zu schaffen und gleichzeitig die landschaftsprägenden Gehölze zu erhalten, hat die Genossenschaft erreicht. Nicht nur werden die teils mehr als 100 Jahre alten Walnussbäume mit ihren stattlichen Kronen nun noch mehr geschätzt und gepflegt – es werden auch zusätzlich neue angepflanzt.

Regionalen Früchten Wert zurückgegeben

Wie kostbar die Bäume sind, war schon in längst vergangenen Zeiten erkannt worden. „Früher kamen reisende Händler oft nach Sammenheim, um hier Walnüsse mitzunehmen und in der Stadt zu verkaufen“, erzählt Ernst Beißer. Die Genossenschaft, die inzwischen auf rund 150 Mitglieder angewachsen ist, hat diese Tradition wiederbelebt und damit den regionalen Früchten ihren Wert zurückgegeben.

In einem guten Jahr kommen Ernten von bis zu 150 Lieferanten zur Walnuss-Knackanlage der Gelben Bürg, da stehen die Autos dann schon einmal Schlange. In der Manufaktur werden die Nüsse dann auf ihre Qualität geprüft und die hochwertigen Produkte hergestellt, die mittlerweile auch über einen Online-Shop verkauft werden.  Darüber hinaus werden Walnüsse für den eigenen Verbrauch ab einer Menge von 10 Kilogramm geschält. Dabei darf gerne mit angepackt werden. Denn es braucht viele helfende Hände bei der Produktion. Immerhin werden bis zu 10 Tonnen verarbeitet.

Viele Bürger, die Walnüsse liefern, haben inzwischen die Ernte optimiert und zum Beispiel spezielle Gestelle zum Trocknen daheim, denn die Nüsse dürfen nicht feucht sein. Die Genossenschaft bezahlt einen kleinen Preis für die Walnüsse. Wer anliefert, erwartet nicht, damit viel zu verdienen. Es geht eher um das Gemeinschaftserlebnis und darum, dass dank der Manufaktur etwas aus den Schätzen der Natur gemacht wird, die andernfalls oft einfach vom Baum fallen und vergammeln würden.

Dass die Genossenschaft eine Knackmaschine erwerben konnte, dass es inzwischen einen landesweit bekannten Nussmarkt gibt und dass die Gemeindescheune zum Nusshaus umgebaut werden konnte – all das war das Ergebnis von Geduld, Ausdauer und dem Zusammenwirken von Ehrenamtlichen, Landschaftspflegeverband und Verwaltung. Mit einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Jetzt müssen wir diesen Spirit weitergeben!
– Ernst Beißer

Ähnlich wie mit den Nüssen verhält es sich auch mit der Genossenschaft: Es gibt einen Kern – engagierte Mitglieder, die den Betrieb am Laufen halten. Dabei kommt es dem Unternehmen zugute, dass die Akteure die unterschiedlichsten Kompetenzen mit einbringen. „Ob Buchhaltung, Kreatives oder Vertrieb – wir können auf viel Erfahrung zugreifen“, sagt Ernst Beißer.

Spannend wird der Generationswechsel, der in nächster Zeit bevorsteht. „Wir waren alle Überzeugungstäter“, sagt Ernst Beißer. „Jetzt müssen wir diesen Spirit weitergeben.“ Dass Genossenschaften wie die Gelbe Bürg eG Zukunft haben, steht außer Frage. Denn das Interesse an regionalen Lebensmitteln ist ungebrochen und nimmt sogar zu. Die Walnuss hat darüber hinaus als „Super-Food“ einen hervorragenden Ruf und wird von vielen als wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung betrachtet. Nicht zuletzt ist das Interesse inzwischen so groß, dass sogar Besuchergruppen empfangen und verköstigt werden. Es gibt also noch viel Potential.

"Wir sind ein kleines, feines Unternehmen"

Genossenschaften haben nach Ansicht von Ernst Beißer viele Vorteile, zum Beispiel, dass sie großes Vertrauen genießen. Auch sei es eine Chance, dass jedes Mitglied sich einbringen und seine Interessen vertreten könne. Gleichzeitig gebe es bei diesem Geschäftsmodell ein großes Spektrum von kleinen Einheiten wie der Gelben Bürg bis hin zu großen Organisationen wie den Raiffeisenbanken. Da wäre nach Ansicht von Ernst Beißer hier und da ein wenig mehr Differenzierung gut, zum Beispiel bei Prüfungspflichten oder dem Notarzwang bei Vorstandswechseln. „Wir sind ein kleines, feines Unternehmen“, sagt Ernst Beißer. „Kein großer Wirtschaftsbetrieb.“

Der Beitritt zu diesem kleinen, feinen Unternehmen ist übrigens bereits ab einem Mindestanteil in Höhe von 100 Euro jederzeit möglich. Und wer direkt beim Hersteller einkaufen möchte, kann das immer Samstags im Nusshaus Nummer 11 in Sammenheim tun. Was Ernst Beißer selbst am liebsten isst? „Mir sind tatsächlich die Walnusskerne am liebsten“, sagt er. „Aber auch das Öl ist toll auf Salat und auch das Mehl ist etwas ganz Besonderes.“