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Forum HeimatUnternehmen

„Wir müssen Perspektiven schaffen“

In Riedenburg befindet sich eine neue HU-Region im Aufbau
16. Juni 2026
© Violetta Paprotta

Eine bayernweite Initiative, pulsierende Regionen, in denen aktuell mehr als 700 Menschen mit Unternehmergeist miteinander verbunden sind, mit HeimatEntwicklern als Sparringspartnern – das macht HeimatUnternehmen so einzigartig. Doch wie geht man es eigentlich an, eine HU-Region aufzubauen? Was sind die ersten Schritte? Man braucht die richtigen Leute dafür, sagen alle HeimatEntwickler übereinstimmend. Nur: Wie findet man die?

Tobias Pfaller, promovierter Naturwissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in Pharma, Medizintechnik und Projektleitung, ist inzwischen freiberuflicher Berater – und seit diesem Jahr HeimatEntwickler im Raum Riedenburg. Eine seiner Stärken ist es, den Menschen im System zu sehen. Und insbesondere zu erkennen, was Menschen stärkt. In Riedenburg hält er nun die Augen offen nach allen, die einen MehrWert schaffen wollen. „Wer ist schon heimatunternehmerisch unterwegs? Wer ist an mehr interessiert als am Profit? Wer hat die Region im Blick? Das sind die Leute, die ich finden und vernetzen möchte“, sagt Tobias Pfaller.

Wirtschaftliche Vielfalt als Zukunftsaufgabe

Die idyllische Region im Altmühltal steht vor einer Herausforderung: Die Nähe zu großen Auto-Herstellern, lange Zeit ein Segen, hat einseitige Abhängigkeiten entstehen lassen. Der Wandel in der Automobilbranche ist auch im Altmühltal spürbar – wirtschaftlich, am Arbeitsmarkt und in den kommunalen Haushalten. „Wir müssen Perspektiven jenseits der Auto-Industrie schaffen“, sagt Tobias Pfaller. „Wir brauchen gute Alternativen, Jobs auch in anderen Bereichen und resiliente Strukturen, damit Menschen gerne hier leben.“

Dass es den Menschen in der Region gut geht, ist auch das Anliegen des Riedenburger Brauhauses. Das Unternehmen, das ausschließlich Bio-Getränke herstellt, ist auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Umgebung angewiesen und auf eine lebendige, lebenswerte Region. Menschen, die sich hier wohlfühlen, gerne zusammenkommen und Gemeinschaft erleben, tragen dazu wesentlich bei. Das Brauhaus gehört zum HeimatUnternehmen-Kernteam in Riedenburg und ist auch Gastgeber beim Forum HeimatUnternehmen am 25. und 26. Juni.

Weitere HeimatUnternehmen der ersten Stunde sind in Riedenburg Vertreter der unterschiedlichsten Branchen – vom Bäcker Daniel Franz über Gastronomen Sabine Scholz-Veits und Corinna Sollinger bis hin zum Steinmetz Günter Schinn. Was sie verbindet, ist die Kultur des Anpackens und das gemeinsame Ziel, die Region noch bunter, lebendiger und zukunftsfähiger zu machen.

Neuer Bio-Laden statt Leerstand

Einen ersten Erfolg kann die Initiative bereits verzeichnen: Als ein Laden in der Stadtmitte nach rund 25 Jahren keine Lösung für die Nachfolge fand, drohte die Schließung. Die Einwohner wollten das nicht hinnehmen und sammelten Unterschriften für den Erhalt. Bei einer Info-Veranstaltung, die Tobias Pfaller moderierte, wurden vier mögliche Zukunftsmodelle für den Leerstand skizziert und ein Arbeitskreis gegründet. Mit vereinten Kräften gelang, was einem Einzelnen nicht möglich gewesen wäre: Im April war ein neuer Pächter gefunden, Riedenburg hoffentlich noch diesen Sommer wieder gut sortierten Bio-Laden. So wurde aus Sorge um einen Leerstand ein gemeinsamer Entwicklungsprozess.

Ein typisches Beispiel für die Arbeit von HeimatEntwicklern: Als Netzwerk-Akteure bringen sie immer wieder und in allen Regionen Bayerns gezielt Gründer, Unternehmer, Eigentümer und Kommunalpolitik an einen Tisch, um die Nahversorgung und die Lebendigkeit der Ortskerne zu sichern.

Eine weitere Stärke von Tobias Pfaller liegt darin, Menschen mit guten Ideen auf ihrem Weg zu begleiten – und dabei auch die kleinen Reibungspunkte ernst zu nehmen. „Oft ist irgendwo bei den vielen kleinen Zahnrädchen Sand im Getriebe“, sagt er. „Wenn der erst mal weg ist, lässt sich auch das große Zahnrad viel leichter drehen.“

Nach Jahren in Regensburg, Salzburg und München war es für den HeimatEntwickler eine bewusste Entscheidung, nach Riedenburg zurückzukehren. „Da komme ich her, ich mag die Gegend und die Menschen.“ Was Heimat für ihn ist? „Verbundenheit und Zuversicht“, sagt Tobias Pfaller. Dass er als HeimatEntwickler seine Berufserfahrung mit der Begeisterung für das Riedenburger Land verbinden kann, betrachtet er als Geschenk. Den Austausch mit den HeimatUnternehmern empfindet er als sehr bereichernd. Beim Einsatz für die Region sind die Grenzen zum ehrenamtlichen Engagement manchmal fließend. Doch Tobias Pfaller, selbst in seiner Freizeit als Volleyball-Trainer aktiv, weiß: „Da kommt ganz viel zurück.“

Auf die Entwicklung in Riedenburg ist der neue HeimatEntwickler sehr gespannt. Wertvolle Impulse für die Region verspricht er sich auch vom Forum HeimatUnternehmen. Dabei kommen unter anderem Max und Katrin Krieger vom Riedenburger Brauhaus zu Wort, ebenso HeimatUnternehmer aus anderen bayerischen Regionen und mit Johann Bögl der Gesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzende eines „Global Players“, der gerade deshalb tief in der Heimat verwurzelt bleibt. Karten fürs Forum gibt es noch hier