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Mensch und Natur

Die Grüne Schmiede in Mörlach

Ein Ort der Vielfalt und Begegnung
30. Juli 2026
Frankenhöhe
© Bea Getze
Ina und Alexander Weiser haben die Grüne Schmiede Schritt für Schritt aufgebaut. Entstanden ist ein Ort, an dem Gemüse angebaut und Lebensmittel verkauft werden und Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Ihre Geschichte zeigt, wie eng unternehmerisches Handeln und Verantwortung für die Natur zusammengehören können. Und sie ist ein ermutigendes Beispiel dafür, wieso es sich lohnt, für seine Visionen einzustehen.

„Wir sind kein reiner Gemüsebetrieb und auch keine reiner Bio-Laden“, sagt Alexander Weiser. Die Grüne Schmiede lässt sich tatsächlich nicht auf einen Begriff reduzieren. Gemüsebau und Tierhaltung, Blumenanbau und Verarbeitung gehören ebenso dazu wie der Laden mit Café mit seiner Naturkindergruppe. Der Betrieb versteht sich als Ort der Versorgung, des Genusses, der Bildung und der Begegnung. Für Alexander und Ina Weiser gehört all das zusammen. Denn Lebensmittel entstehen nicht losgelöst von den Menschen, die sie anbauen und verkaufen.

 

Eine Vision nimmt Gestalt an

Dass beide einmal einen landwirtschaftlichen Betrieb führen würden, war zunächst nicht abzusehen. Alexander machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker und legte anschließend seinen Meister ab. Ina arbeitete als Jugend- und Heimerziehungspflegerin. Erst das Studium in Triesdorf führte beide in eine neue Richtung: Alexander entschied sich für Agrartechnik, Ina studierte Umweltsicherung. Dort lernten sie sich kennen und beschäftigten sich bald mit der Frage, wie sie künftig gemeinsam leben und arbeiten wollten.

Den entscheidenden Anstoß erhielt Alexander allerdings schon einige Jahre zuvor. Ein Film über eine Solidarische Landwirtschaft inspirierte ihn nachhaltig. Die Idee, dass Menschen gemeinsam einen Betrieb aufbauen und sich selbst versorgen, ließ ihn nicht mehr los. Kurz darauf bewirtschaftete er selbst einen Dorfacker mit anderen. Die erste Ernte blieb ihm besonders in Erinnerung. „Mit dem ersten Rettich war aus dem Funken ein Feuer geworden“, sagt er.

Aus dieser Erfahrung wuchs der Wunsch, selbst Gemüse anzubauen. Nicht zwingend als Solidarische Landwirtschaft, aber als Selbstversorger oder Familienbetrieb mit eigener Vermarktung.

Das Studium wurde zum nächsten Schritt auf diesem Weg. Als Quereinsteiger musste er sich zunächst mit den Grundlagen der Landwirtschaft vertraut machen. Begriffe, Produktionsweisen und Zusammenhänge waren neu. Gleichzeitig wuchs die Überzeugung, dass es der richtige Weg war.

Raus aus der Werkstatt, Hände in die Erde - das was mein Antrieb!
– Alexander Weiser

Eine Vision wird Wirklichkeit

2018 bot sich Ina und Alexander die Chance, eine auslaufende Bio-Hofstelle mit bestehendem Hofladen und Wochenmarktgeschäft zu übernehmen. Eine große Entscheidung – auch, weil beide inzwischen Eltern geworden waren.

Ein Landwirtschaftsberater gab ihnen damals einen Rat, der ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben ist: Solange die Familie gesund ist und es der Familie mit dem Betrieb gut geht, kann ein solcher Betrieb funktionieren. Dieser Gedanke gab ihnen die Sicherheit, den Hof zu übernehmen. Die bestehenden Vermarktungsstrukturen gaben ihnen Orientierung beim Ankommen in einer Region, die für beide neu war. Über Hofladen und Wochenmärkte entstanden erste Verbindungen – zur Region ebenso wie zu den Menschen, die dort leben.

Mit dem Umzug auf die heutige Hofstelle eröffnete sich 2020 die Möglichkeit, ihre Vorstellung eines hofzentrierten Betriebs zu verwirklichen. Produktion, Vermarktung, Laden und inzwischen auch das Café befinden sich seitdem an einem Ort.

Und der Betrieb entwickelt sich kontinuierlich weiter – nicht nach einem festen Plan, sondern aus neuen Ideen und Erfahrungen. „Das Schöne an dieser Betriebsart ist, dass man jedes Jahr aufs Neue kreativ sein kann“, sagt Alexander. „Welche Kulturen passen in die Fruchtfolge? Was baue ich an? Lege ich neue Strukturelemente an?“ Für ihn liegt genau darin der Reiz seiner Arbeit: Natur verlangt Aufmerksamkeit und Erfahrung, eröffnet aber zugleich immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Für Alexander geht es dabei um weit mehr als die Erzeugung von Lebensmitteln. Ihn begeistert, dass sichtbar wird, was die eigenen Hände schaffen. Gleichzeitig bedeutet der Beruf für ihn Verantwortung – für den Boden, den Betrieb, die Menschen vor Ort und ein Stück Landschaft.

Ein Ort entwickelt sich

Dass sich die Grüne Schmiede immer wieder weiterentwickelt, führen Alexander und Ina auch auf den Austausch mit anderen zurück.

Mit HeimatUnternehmen kam Alexander bereits während seines Masterstudiums Regionalmanagement in Berührung. Obwohl es HeimatUnternehmen in seiner Region noch gar nicht gab, setzte er sich mit der Initiative auseinander. Als Daniel Rieth später HeimatEntwickler wurde, gehörten Ina und Alexander zu den ersten HeimatUnternehmern der Region.

Bis heute verstehen sie HeimatUnternehmen als Sparringspartner. Die Begleitung bei wichtigen Entscheidungen und der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern helfen dabei, den eigenen Betrieb weiterzuentwickeln. Aus diesem Netzwerk ergaben sich auch konkrete Projekte. Über einen Kontakt zum Amt für Ländliche Entwicklung wurde auf die Förderung FlurNatur aufmerksam gemacht. Dadurch konnten unter anderem Hecken gepflanzt und ein Teich angelegt werden – Maßnahmen, die die Flächen naturnah weiterentwickeln und gleichzeitig die Vielfalt auf dem Betrieb stärken.

Auch beim Ausbau des Hofladens und der Umgestaltung des Außenbereichs entschieden sich Alexander und Ina bewusst für einen gemeinschaftlichen Weg. Mithilfe von Genussrechten – begleitet von HeimatUnternehmen und Petra Wähning – beteiligten sich Menschen aus ihrem Umfeld am Betrieb. Eine klassische Bankfinanzierung wäre ebenfalls möglich gewesen. Die beiden schätzen jedoch den Gedanken einer „Genussgemeinschaft“: Menschen, die den Betrieb nicht nur finanziell unterstützen, sondern sich mit ihm verbunden fühlen, Interesse an seiner Entwicklung haben und ihre Erfahrungen einbringen. Die Grundgedanken der Solidarischen Landwirtschaft.

 

Von der Vision zu einem Ort der Vielfalt und Begegnung

Diese Verbundenheit prägt auch den Alltag auf der Grünen Schmiede. Alle Produkte werden über die Theke verkauft. Der persönliche Kontakt gehört bewusst zum Konzept. Die Kundschaft besteht aus Menschen, die sich bewusst ernähren und regionale, persönliche Alternativen zum Supermarkt suchen. Ina und Alexander wünschen sich, dass ihre Kundinnen und Kunden den Hof erleben können. Sie sollen sehen, wo Lebensmittel entstehen, und nachvollziehen können, was regionale und saisonale Erzeugung bedeutet. So wird Regionalität nicht erklärt, sondern erfahrbar.

Nach acht Jahren steht nun der nächste Entwicklungsschritt an. Der Wochenmarktbetrieb endet in Kürze. Dadurch gewinnen die beiden mehr Zeit – für ihre Familie und dafür, den Hofkreislauf vor Ort gemeinsam mit den beiden Mitarbeitenden weiterzuentwickeln.

Anderen Menschen, die mit einer eigenen Idee oder einer Selbstständigkeit liebäugeln, rät Alexander, den ersten Schritt zu gehen: „Kommt ins Tun – und macht es wenn möglich ganz, nicht nur nebenbei.“ Ebenso wichtig seien gute Netzwerke und betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse. Vielleicht beschreibt genau das auch die Entwicklung der Grünen Schmiede. Sie ist nicht nach einem fertigen Plan entstanden, sondern aus vielen Entscheidungen, die eines gemeinsam haben: den Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen – gemeinsam mit anderen und in Verantwortung für die Natur.