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Begegnungsorte

Servus Zum Haber

Im „Zum Haber“ in Osterhofen geht es um mehr als Essen und Trinken: Die Kultkneipe ist Treffpunkt, Bühne und ein Stück gelebte Toleranz.
21. September 2026
© Andreas Ortner

„Schön, dass es euch gibt.“ Diesen Satz hören Matthias Meier und Andreas Ortner regelmäßig. Und vielleicht beschreibt er am besten, warum es das „Zum Haber“ in Osterhofen überhaupt gibt. Denn klassische Wirtshäuser, in denen man einfach auf ein Bier vorbeikommt, sich an einen Tisch setzt und ins Gespräch kommt, werden weniger. Viele gastronomische Betriebe haben sich zu Speiselokalen entwickelt. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar – verändert aber auch, welche Orte einer Stadt für Begegnung zur Verfügung stehen.

Das „Zum Haber“ will genau diese Lücke nicht schließen, sondern gar nicht erst entstehen lassen. Seit über 40 Jahren gibt es die Kneipe in Osterhofen. Heute wird sie von sechs Teilhabern (Andreas Stauber, Thomas Stauber, Matthias Meier, Max Knogler, Jochen Seidl und Andreas Ortner) getragen, die das Haus gemeinsam gekauft, saniert und zu einem Ort entwickelt haben, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Zwei von ihnen, Matthias Meier und Andreas Ortner, führen aktuell das Wirtshaus.

Ihr Anspruch ist dabei erstaunlich einfach: Alle sollen sich willkommen fühlen.

Ein Wirtshaus für alle

Das „Zum Haber“ ist bewusst kein exklusives Konzept. Die Preise sind moderat gehalten, damit man sich einen Besuch leisten kann – ob für ein Essen, ein Getränk oder einfach, um sich mit anderen zu treffen. Denn der eigentliche Wert des Hauses liegt für die Betreiber nicht allein auf der Speisekarte. Es geht ums Zusammenkommen und den Austausch. Um das zufällige Gespräch mit Menschen, denen man sonst vielleicht nicht begegnen würde. Um Jung und Alt, mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und vielfältigen Biografien.

„Bei uns wird niemand schief angeschaut“, lautet die Haltung der Betreiber. Berührungsängste soll es nicht geben. Wer sich anständig verhält, ist willkommen. Damit versteht sich das „Zum Haber“ ganz bewusst als Ort, an dem ein Querschnitt der Bevölkerung zusammenkommen kann. So, wie es in einem Wirtshaus früher selbstverständlich war. Das klingt unspektakulär. Ist aber in einer Zeit, in der Begegnungen zunehmend in klar getrennten sozialen Gruppen stattfinden, alles andere als selbstverständlich.

Sechs Menschen, eine gemeinsame Idee

Benannt ist die Kneipe nach ihrem damaligen Wirt Helmut Habereder. Als er in den Ruhestand ging, verpachtete er das Lokal an eine Bedienung. Als Habereder verstarb, verpachteten die Erben das Lokal noch einmal für einige Jahre. Dann kam die Zeit der Pandemie. Corona setzte der Gastronomie zu, gleichzeitig durfte der Saal wegen eines fehlenden zweiten Fluchtweges nicht mehr genutzt werden. Schließlich entschieden sich die Eigentümer, das Haus zu verkaufen. Damit stand die Frage im Raum: Was passiert mit einem Ort, der seit Jahrzehnten Teil des Osterhofener Lebens ist?

Die Antwort kam von sechs Menschen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Sie kauften das „Zum Haber“ gemeinsam – und sind bis heute die sechs Teilhaber. Was folgte, war vor allem eines: viel Eigenleistung. Rund 80 Prozent der Umbau- und Sanierungsarbeiten stemmten die neuen Eigentümer selbst. Der Saal wurde nicht nur wieder so hergerichtet, dass er den rechtlichen Vorgaben entsprach, sondern sogar um zwei Meter vergrößert. Für Künstlerinnen und Künstler entstand ein eigener Backstageraum. Auch der Biergarten wurde aufgewertet. Heute finden dort rund 100 bis 120 Menschen Platz, im Saal etwa 60 bis 70. Aus dem Sanierungsprojekt wurde damit ein Ort, der  mehr kann als zuvor.

Kleine Bühne, große Wirkung

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kleinkunst. Bis Weihnachten stehen rund 25 Veranstaltungen auf dem Programm: Kabarett, Kneipenquiz, Konzerte. Dabei geht es den Betreibern nicht darum, möglichst viele Veranstaltungen anzubieten. Entscheidend ist die Qualität. Das „Zum Haber“ bietet bewusst eine Bühne für Künstlerinnen und Künstler. Kleinkunst funktioniert hier unmittelbar, persönlich und nah am Publikum. Besonders die Generation 35 plus nimmt dieses Angebot gerne in Anspruch. Zu den Veranstaltungen reisen Menschen aus dem gesamten Landkreis an.

Für Andreas Ortner ist das kulturelle Angebot ein wesentlicher Teil des Konzepts. Eigentlich ist er Landschaftsarchitekt. Gleichzeitig war er schon immer begeisterter Konzertgänger. Ihn störte, dass er für gute Konzerte regelmäßig in größere Städte fahren musste. Als sich die Möglichkeit ergab, beim „Zum Haber“ einzusteigen, war für ihn deshalb klar: Wenn er das macht, dann nur mit einem entsprechenden Kulturangebot.

Kultur braucht Orte

Genau darin liegt eine besondere Qualität des „Zum Haber“: Kultur wird hier nicht als Zusatzprogramm verstanden, sondern als Teil eines lebendigen Orts. Die Bühne bringt Menschen zusammen, die vielleicht wegen eines bestimmten Künstlers kommen. Sie bleiben auf ein Getränk. Kommen mit anderen ins Gespräch. Entdecken die Kneipe als Treffpunkt. Und vielleicht kommen sie ein anderes Mal wieder, ohne dass eine Veranstaltung stattfindet.

So entsteht ein Kreislauf aus Gastronomie, Kultur und Begegnung. Und gleichzeitig bekommt Kleinkunst einen Raum, den es in kleineren Städten und Gemeinden nicht überall gibt. Das „Zum Haber“ kann nicht die großen Namen auf eine große Bühne holen. Das muss es auch nicht. Es schafft genau das Format, das zu seinem Ort passt.

Der Aufwand ist groß. Der Mehrwert auch.

Matthias Meier und Andreas Ortner betreiben die Kneipe „Zum Haber“ nebenberuflich. Trotzdem investieren sie Zeit und Energie in Einkauf, Buchhaltung, Organisation und Veranstaltungen. Dass sich das wirtschaftlich nicht immer unmittelbar in Zahlen ausdrücken lässt, wissen sie. Natürlich könnten bei den Veranstaltungen manchmal noch ein paar mehr Gäste kommen. Aber die Motivation entsteht nicht allein durch die Besucherzahl.

Man bekommt emotional unglaublich viel zurück.
– Andreas Ortner

Das kann ein gutes Gespräch sein. Ein gelungener Abend. Ein Künstler, der sich auf der kleinen Bühne wohlfühlt. Ein Stammgast, der einfach wieder da ist. Oder eben dieser eine Satz, den sie immer wieder hören: „Schön, dass es euch gibt.“

HeimatMehrWert entsteht durch Offenheit

Was das „Zum Haber“ zeigt, ist deshalb weniger ein gastronomisches Erfolgsrezept als eine Haltung. Ein Begegnungsort muss nicht groß sein. Er muss nicht perfekt sein. Aber er braucht Menschen, die an seinen Wert glauben. Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Die Räume erhalten, statt sie aufzugeben. Die ein Angebot schaffen, das zu ihrem Ort passt. Und die sich bewusst dafür entscheiden, offen zu bleiben. Das „Zum Haber“ macht vor, wie das funktionieren kann: mit moderaten Preisen, guter Kleinkunst, einem offenen Ohr und vor allem ohne Berührungsängste. Ein Ort, an dem man sich dazusetzen kann.

Unser Fazit: Prädikat besonders wertvoll.

 

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