"Es hängt immer an den Menschen"
An einem Leuchtturm-Projekt wie dem Hofladen im Edeka Schneider Super-Center Bayreuth zeigt sich eindrücklich, wie die Initiative HeimatUnternehmen einen Beitrag dazu leistet, die Bedingungen auf dem Land krisenfest und zukunftsfähig zu gestalten. Durch die konsequente Kooperation mit regionalen Lieferanten bleibt die Wertschöpfung vor Ort, heimische Erzeuger haben eine langfristige Perspektive und auch die Natur profitiert von der nachhaltigen Vermarktung.
Die außergewöhnliche Zusammenarbeit wurde 2024 im Rahmen der Grünen Woche in Berlin mit dem Regional Star belohnt – einer bundesweiten Auszeichnung, die für „herausragendes Engagement, Kreativität und Innovationskraft in der Vermarktung regionaler Produkte unter Berücksichtigung nachhaltiger Aspekte“ verliehen wird.
Markt-Inhaber Patrick Schneider stellt in seinem Edeka Super-Center seit 2022 eine große Fläche an einem markanten Standort für Erzeuger aus dem Bayreuther Land zur Verfügung. Der Laden im Laden bietet eine beeindruckende Bandbreite regionaler Produkte mit Heimat-Mehrwert und gleichzeitig ein besonderes Einkaufserlebnis, das nachweislich dazu führt, dass die Kunden länger verweilen und mit beständigem Interesse schauen, was so alles vor der Haustür hergestellt wird.
Mut und Bereitschaft, ins Risiko zu gehen
Lothar Winkler, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken, lobt Patrick Schneiders Mut und dessen Bereitschaft, ein Stück weit ins Risiko zu gehen. Beispielsweise werden die Erzeuger bei Lieferung der Ware bezahlt, nicht erst, wenn die Produkte verkauft wurden. Das gibt den überwiegend kleinen, familiären Betrieben unter der Dachmarke „Bayreuther Land“ mehr Sicherheit.
Überhaupt war der Faktor „Mensch“ aus Sicht von Lothar Winkler bei der Realisierung des Projekts der entscheidende. So auch bei der Mammut-Aufgabe, die rund 30 beteiligten Akteure unter einen Hut zu bekommen und es gemeinsam zu meistern, eine Vielzahl von Anforderungen zu erfüllen, die der moderne Lebensmitteleinzelhandel mit sich bringt. Denn sämtliche Produkte müssen Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und Verbraucherinformation gewährleisten.
Treibende Kraft war dabei HeimatEntwicklerin Marion Deinlein, die den Selbstvermarktern tatkräftig und mit Expertise dabei half, mit dem Hofladen eine gemeinsame Plattform aufzubauen. Im Auftrag von HeimatUnternehmen, einer Initiative der Ländlichen Entwicklung, befähigte sie die Erzeuger, alle notwendigen Strukturen zu schaffen und sämtliche Vorgaben zu erfüllen.
„HeimatEntwickler müssen Menschen sein, die rausgehen zu den Leuten und kommunikativ sind“, betont Lothar Winkler. Denn schließlich ist es ihre Aufgabe, Akteure zu motivieren, zusammenzubringen und Potentiale zu entfalten. In Marion Deinleins Region hat die Initiative einmal mehr ihre starke Wirkkraft unter Beweis gestellt. „Im Netzwerk hat die Chemie gepasst“, sagt Lothar Winkler.
Auf der Suche nach Lösungen an die Leitplanken gehen
HeimatUnternehmen ist eine aus einer Vielzahl an Initiativen, mit denen die Entwicklung im ländlichen Raum vorangetrieben wird. Die Ämter für Ländliche Entwicklung haben den Auftrag, gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land herzustellen. So auch in Oberfranken.
„Wir gehen bei der Suche nach Lösungen auch mal an die Leitplanken und bauen keine Hürden auf", sagt Lothar Winkler. Sein Amt hat rund 170 Mitarbeitende, ein großer Teil davon Techniker und Ingenieure, die es verstehen, Prozesse zu managen. „Wir wollen etwas bewirken“, sagt Lothar Winkler.
Der Amtsleiter ist davon überzeugt, dass es sich lohnt, Ressourcen in echte Bürgermitwirkung zu investieren. „Wer sich am Anfang die Zeit nimmt, ist bei der Umsetzung schneller.“ Und dass die Beteiligung lokaler Akteure belohnt wird, auch dafür ist das Edeka Super-Center ein tolles Beispiel. Denn die Kunden nehmen das Angebot an und sind durchaus bereit, höhere Preis für hochwertige heimische Produkte zu bezahlen.
Wichtigste Aufgabe: Die passenden Macher finden
Das hat nicht zuletzt auch eine emotionale Komponente. Wer beispielsweise zu Fleisch von der Texas Longhorn Ranch in Prebitz greift, hat ein Bild vor dem inneren Auge: Stattliche Tiere, die auf Weideland grasen, das bis zum Horizont reicht. Dass mitten in Oberfranken, auf einem Bio-Hof, der größte Bestand dieser naturnahen Rinder in ganz Europa zu finden ist, ist ein unschlagbares Alleinstellungsmerkmal. „Da läuft ein Film im Kopf ab“, sagt Lothar Winkler und stellt einen Vergleich zu typisch bayerischen Produkten her, die ebenfalls mit einer starken Geschichte punkten, beispielsweise das Bayerische Bier.
Keine Frage, der Hofladen im Edeka-Markt ist ein Erfolgsmodell. Ist es übertragbar? „Nicht 1:1“, sagt Lothar Winkler. Was übernommen werden kann, sind Strukturen und Wissen. Aber dann geht es ans Eingemachte: Die passenden Macher finden. „Man braucht geeignete Multiplikatoren. Wenn man Gück hat, zieht dann einer den anderen an.“